Gedichte, Aphorismen und andere Texte

                  

Wenn aus dem Vormals-Freunde
wird ein Feind,
klingt jedes Wort so kalt und hart,
wie es gemeint
Febr.05


Gebot des Lebens: Loslassen,
ehe Bindungen, weil überanstrengt,
schmerzlich zerreissen.
12.03.06


W O R T I M W A R T E S T A N D
Sinnsprüche-Verse

Dürfen
(Können) wir unseren Augen trauen?
Sehen sucht Einsicht,
erfüllt sich im Schauen.
Vgl.2l.03.06


S p ä h e n d


Reich an Stimmigkeiten
das Watt.
Untergründig
wie über Untiefen
regsam
Lebendiges.
Kleinstgetier; Algensträhnen,
hangend an Wegmarkierung
aus schwärzlichem Birkengezweig.
Bei Wassersenke
sogleich gelöscht
der Eindruck meist nackter Sohlen.
Alles
umhüllt von einem silbern getönten
Kokon großer Stille.



Im Angesicht des Watts


Für das schon angestrengte Auge Strich-
Männchen
Wattlöper, auch verharrende
Wattkieker.
Wenn die Flut sich zurückzieht, weithin
feuchtes Glänzen, Aufblitzen, Flirren
des Schlicks.
Wühlwürmer, ausstülpend winzige Kügelchen
im Schlamm (grünschwärzlich oder ockern
geriffelt), d’rauf Schimmer, weitflächig
von taubenblauer Lasur.
Möwenunruh, sie überflattert mit gierig
schlingendem Schlund Schneisen
des Lichts.
Dunstverdüsterter Horizont. Dann wieder
konturscharf geklärt, spiegelt die
rinnsalgeäderte, nässende Ebene,
was aufgerissener, allzu oft heftig
zerzauster Himmel hergibt,
geschichtete Luft, schönfarbiges Leuchten
ihr an Empfängnis vergönnt.
Nach Stunden, flach überflutet, hält
vielfaltig Regsames, verschwistert
Muscheln und Quallen
seine Geheimnisse unter Verschluss.
Wer mit Worten zu malen weiss, -
windzugesellt einatmend glitzernde
Stille -,
wartet auf Rückkehr langsam verme(e)hrten
Gewässers,
nicht ganz so gewiss nachdrängender
Bilderflut.
Ihr standzuhalten, sie einzudämmen und
zu bezwingen,
immer aufs Neue ein Wagnis der Sprache.
 

Es gibt zu wenige Gerechte.
Das ist das Schlechte.
Darum ist einigen so mies
zumute.
Das ist das Gute.


Die Freude selbst sich widerlegt,
indem sie schlapp macht,
wenn sie einen trägt.


Die Nacht scheint dazu da, dass man
das Licht nur um so tiefer liebt
und ihm gewisse Trübungen vergibt.


Leben und Welt müssen jeden enttäuschen,
der sich wünscht, sie mögen ihn (gefälligst)
in Ruhe lassen.





Das Leben führt so manchen
an der Nas’ herum,
der zwar nicht sehr gescheit,
jedoch nicht allzu dumm.


Kann sein, dass einer zu viel
andren wie sich selbst
verdirbt,
eh’ er ´so frei`, dass er mit Anstand
stirbt.


Kann keiner wissen, ob und was er
glauben soll.
Doch macht der Glaube noch die Ödnis
wundervoll.


Wer sich (extrem) den Kopf zerbricht,
kriegt keinen neuen.




Das Leben hält nur selten, was
den Jungen es verspricht.
Im Alter ihm zu grollen, lohnt sich
nicht.


Lege doch keiner die Rosinen, die er
sich aus dem Kopf geschütte(l)t hat,
in eine Kinderhand.


Bleibe doch jeder, wenn fliegend, munter.
Irgendwie kommt der Vogel schon runter.
Irgendwie
Hat die Erde uns wieder.
Heil bleiben meistenteils
Bumskopf und Glieder.


Es trägt der Mensch an seiner Zeit,
mehr an der eigenen Be-Dürftigkeit.
 

Wer selber sich nicht leiden kann,
kommt ungut auch bei andren an.


Der Weg sei das Ziel? Das Ziel ist
die endlich erreichte Entbehrlichkeit
jeden Weges.


Gutmütig bist du wohl, das halt’ ich
dir zugute.
Doch Güte ist von einem andren Blute.


Warum nur hatte Adam Eva-seits
nicht Schiss
bei der Verlockung zu ´nem Apfel(Süssfrucht)biss?
Das Paradies wär nicht
verlor’n gegangen,
hätt’ (andrem Obst) gegolten (Fallobst bloss)
sein Verlangen.
Sept. 04




Die Stunde, die Verbundene
entzweit,
häuft auf sie jahrelang noch
Dunkelheit.


Es ist die Furcht vor etwas Konkretem
oder diffuse Angst,
die uns hindert, wir selbst zu sein.


Sage nie, dass du nicht kannst.
Denk’ daran, was du gewannst,
als du voll dich eingesetzt.
Warum tust du’s nicht auch
jetzt?


Denke dran, was du verlorst,
als du Falsches auserkorst,
dir zu schwellen haarlos’ Brust.
Du erlittest Sinnverlust.
Nun starrst du durch Wolken hin,
zu empfangen neuen Sinn,
wissend, wie du dich verrannst.....
Sage nie,
dass du nicht kannst.




1. Wer seine Lauscher rechtzeitig
hochstellt,
dem wird nicht so leicht das Fell
über die Ohren gezogen.


Dauerhafter als Blumen können
Worte blühen –
für den, der sich von ihnen anrühren,
gar bewegen lässt.


Kunst fördert Kommunikation, indem
sie diese herausfordert.


Wer in der Liebe nicht zu wohnen wagt,
dem bleibt das tiefste Heimatglück
versagt.




2. Das Fell, das einem über die Ohren
gezogen wird,
ist vermutlich das eines armen
Hundes.


Sagt, welche Frau ist so ertaubt,
dass sie nicht, Komplimente hörend,
ihnen glaubt.


Meist ist die Zeit gar nicht so schlecht,
käm’ besser nur
der Mensch mit ihr zurecht.


Leben hat so viele Gesichter,
bei Zweibeinern meist maskierte.




Es lebt der Mensch so oft
im Wahn,
zu weisen anderen die Bahn,
auf der gewiss sie Glück
erreichen.
Ob je ihn Selbstzweifel beschleichen (?),
weil – wer allein sein Zerrbild schaut,
sich selbst den Weg zum Glück verbaut.
06.07.04


Das Bild des Menschen,
meine Herrn und Damen,
gebt Acht,
es fällt so leicht aus seinem Rahmen.
28.07.04


Bei erhitzten Gefühlen verdampfen
unversehens die Energien von Vernunft
und Verstand.
05.05.04




Ist noch kein Grund, der Erde
unvollkomm’nes Rund
zu schelten,
sei sie auch nicht die beste
aller Welten.
Wär’s denkbar, dass der Mensch
ins All auswand’re,
er fände, heimisch werdend, keine and’re.


Das Tragen fällt oft schwer,
zumal wenn man allein.
Da glaubt man mehr und mehr
an Grundgetragensein.
17.07.04


Lassen weltweit wir die Augen weiden,
ohne dass sie tränen, wenn sie leiden!
28.07.04




Zu „alter ego VI“, Pastell 04
Wolkig. Gelöst die Konturen
herbstlich gekühlten Gesichts.
Himmelan – erdentief Spuren
unauslöschlichen Lichts.


Realitätsblindheit ist ein inoperabler
Sehdefekt.


Auch bei einem enttäuschend flachen
Spektakel rühren sich Hände zum Applaus;
sie wurden von Herz und Hirn dazu nicht
ermächtigt – eher hormonell gedrängt oder
gesteuert.


Die letzte Wunscherfüllung
ist nicht von dieser Welt:
entspannendes Vergessen,
woran ein Glück wir messen:
willkomm’ne Stillung (dessen),
was uns in Atem hält.

23./24.09.04



Erscheint, was sich ´Kultur` nennt,
auch fortschreitend kränklich
und sieht, wer Augen hat,
es ihr auch an -,
wer Ärzten prinzipiell nicht
glauben kann,
hält diesen Zustand übermorgen
noch für unbedenklich
und wird sich in das ´Unabänderliche`
fügen,
liegt sie demnächst in ihren
letzten Zügen.
23.09.04


´Humanität`hat es schwer in einer
weniger am Sein orientierten als
Haben-fixierten Gesellschaft mit
Ihrer Neigung zu Aggressivität.




Zum 10. Monat

1. Unbezwinglich

Wolkig. Gelöst die Konturen
herbstlich gekühlten Gesichts.
(Lesbar im Schwindenden) Spuren
unauslöschlichen Lichts.
Wolkenschatten auf Fluren
ungleich geteilten Gewichts.
Find’ im Bestehenden Spuren
unbeirrbaren Lichts!
25./26.09.04


Weimar – Buchenwald: eine bis heute
nicht recht bewältigte Zerreiss-Spannung
zwischen Humanität und Bestialität.
Weimar, 17.07.04


Jeder Mensch ist seit Anbeginn
Gottes Sorgenkind.
25.09.04


2. Unbezwinglich


Wolkig, (Gelöst die) Konturen
Westwind-gekühlten Gesichts.
Noch im Vergehenden Spuren
unauslöschlichen Lichts.
Schatten auf Namen, Naturen
ungleich verteilten Gewichts.
Doch im Beständigen Spuren
nie beirrbaren Lichts.
Lebenszüge verführen
heillos sich scheinbar ins Nichts.
Trugbildern fern statt Spuren
Fülle unsinnlichen Lichts.


Die Treue wird oft unterschätzt
seit langem schon,
doch nie wie jetzt.
29.09.04

Wer wegen... sprachlos wird
(es reicht nicht mal zum Stammeln),
muss, fangend sich, aufs Neue
Worte sammeln
und ihnen deutlich Stimme geben,
dass sie nicht ungehört
verschweben.


Lässt einer mit der Zeit sich ein,
wird die ihn selten
hoch erfreu’n.
Man rücke von ihr ab, wenn brenzlig
sie in die Nase steigt -,
nicht gänzlich.



Der Schwätzer, zwar groß
Wortverschwender
im Sprachgebrauch,
doch
ein behänder.



Wer Mut vermissen lässt, hat die Chance,
möglichen Gefahren langlebig aus dem
Weg zu gehen – und sich ebenso lange selbst
zu verachten.


Muss einer denn der Dumme sein,
vertraut er anderen?
Sag jein.


Empfindlichkeit ist kein Anzeichen
von Gefühlsstärke oder –tiefe.



Wird die Liebe zu heiss,
kocht sie über,
oder sie brennt an.


Es ist das Ausgeübte,
das schließlich sich erfüllt
als dieses Ungetrübte
in Klang und Wort und Bild.
30.09.04


Bricht wer ein ernst gegebenes Versprechen,
mag dies sich später an der Seele rächen.


Wer andere führt hinters Licht,
steht selbst bald im dunkeln, nicht?



Betrüblich doch, wenn man erkennt,
wie einer seine Chance verpennt.
Er könnte Missliches verwandeln,
zwäng er sich, konsequent zu handeln.
Doch er verschiebt’s auf übermorgen
als wär’ es leicht, sich einfach borgen.


Frei scheint ein Denken, wenn sich’s selbst
beweist,
dass es nicht dauernd um das Gleiche
kreist.
Und doch: allein des Denkens Eigensinn
führt der Erkenntnis Schritt zu Neuland hin.
02./03.10.04

Dem Dasein ließe sich mehr
abgewinnen,
wenn wir den Tag in Zuversicht
beginnen
und
ohne grundlos sich ihn zu vermiesen,
mit eines Lächelns Anflug
still beschließen.


Man lasse nicht zu oft sich seinen
Wider-Willen,
was menschlich aufgegeben,
doch noch zu erfüllen.
04.10.04


Muss man denn gleich den Aufstand
proben,
wenn and’re tadeln, was wir loben?


So mancher stellt sich dumm
nur deshalb an,
damit zuletzt er triumphieren kann.


Man mache selbst sich nichts vor.
Das tun schon and’re zur Genüge.
Wär’ doch ein Jammer, wenn als Tor
Man stecken blieb’ in Lebenslüge.
06.10.04


Zu meinem Bild „Nicht schon wieder, Biedermann“
Weiss schon, was es bedeutet,
dass so erschrocken ich bin,
scheint abermals eingeläutet,
hat wieder sich ausgeweitet
Anschlag
auf Recht und Sinn.

09.10.04


Sprichwörter kamen in die Jahre,
sind auch nicht
allemal, nicht unbedingt
das Wahre.